Lupe vergrößert Grafik mit zwei sinkenden Kurven (rot und blau).

Für Musk läuft es gerade nichtBerühmter Shortseller wettet auf Tesla-Crash

Von Dia­na Dittmer

Elon Musk lie­fert sich seit Jah­ren ein lei­den­schaft­li­ches Gefecht mit Leer­ver­käu­fern. Gelang dem Tes­la-Chef zuletzt noch ein gro­ßer Coup gegen die “Haie” der Wall Street, wird er nun wie­der selbst zum Gejag­ten: Der pro­mi­nen­tes­te Hedge­fonds der Welt setzt eine hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar gegen Tesla.

Elon Musk, der zuletzt vor allem den Kryp­to-Markt mit sei­nen Bit­coin-Eska­pa­den vor sich her­treibt, wird gera­de selbst wie­der zum Getrie­be­nen. Wie aus Unter­la­gen für die US-Bör­sen­auf­sicht SEC her­vor­geht, setzt der welt­be­rühm­te Hedge­fonds-Mana­ger Micha­el Bur­ry mit sei­ner Fir­ma Sci­on Asset Manage­ment auf einen mas­si­ven Kurs­ab­sturz bei Tes­la. Den Anga­ben zufol­ge hielt der Inves­tor Ende des ers­ten Quar­tals Tes­la-Puts auf ins­ge­samt 800.100 Tes­la-Akti­en — was einem Wert von 534 Mil­lio­nen US-Dol­lar ent­sprach. Es ist die mit Abstand größ­te Posi­ti­on, die in dem Port­fo­lio aus­ge­wie­sen wird.

Bitcoin

Angeb­lich begrün­de­te Bur­ry die Leer­ver­käu­fe in einem mitt­ler­wei­le gelösch­ten Tweet damit, dass ihn Tes­las Abhän­gig­keit von regu­la­to­ri­schen Maß­nah­men beun­ru­hi­ge. Wann Sci­on die Wet­ten gegen Tes­la abge­schlos­sen hat und wie viel die Fir­ma dafür bezahlt hat, lässt sich aus den Anga­ben für die SEC nicht erken­nen. Die Ein­rei­chung ist eine vier­tel­jähr­li­che Auf­schlüs­se­lung. Bur­ry wet­tet nicht das ers­te Mal gegen Tes­la. Bis­lang lagen Leer­ver­käu­fer mit ihren Wet­ten gegen Tes­la immer falsch. Span­nend wird, ob Bur­ry mit die­ser Wet­te gegen Musks Kon­zern Erfolg haben wird.

Die Chan­cen ste­hen bes­ser als im ver­gan­ge­nen Jahr. Von ihrem im Janu­ar erreich­ten Rekord­hoch von 883 US-Dol­lar je Aktie hat sich Tes­la mitt­ler­wei­le ent­fernt. 2020 hat­ten die Akti­en mehr als 700 Pro­zent an Wert gewon­nen. Aktu­ell kos­tet ein Papier noch etwa 560 US-Dol­lar. Das sind 36 Pro­zent weni­ger als zum Jah­res­an­fang. Bur­ry wür­de auf jeden Fall nicht das ers­te Mal das rich­ti­ge Fin­ger­spit­zen­ge­fühl bewei­sen. Im Zuge der Sub­prime-Kri­se wet­te­te er erfolg­reich auf ein Plat­zen der Häu­ser­bla­se, was ihm sehr viel Geld ein­brach­te. Wes­we­gen die Bran­che auch sehr genau hin­schaut, wel­che Posi­tio­nen sein Fonds hält. Bur­rys Wet­te gegen den Markt schlug so hohe Wel­len, dass sie im Hol­ly­wood-Strei­fen “The Big Short” ver­filmt wur­de, wodurch er als Inves­tor welt­be­rühmt wurde.

Musk sei­ner­seits trägt seit Jah­ren eine Feh­de mit Leer­ver­käu­fern wie Bur­ry aus. Hedge­fonds-Mil­li­ar­dä­re gel­ten an der Wall Street als Finanz­haie. Sie pro­fi­tie­ren von Kurs­ver­lus­ten — ohne ernst­haf­tes Inter­es­se an den Unter­neh­men und mög­li­cher­wei­se Arbeits­plät­zen zu haben. So lau­tet zumin­dest das böse Kli­schee. Ins­be­son­de­re gegen Tes­la lau­fen rie­si­ge Wet­ten — zum Leid­we­sen und unter Pro­test von Musk. Die Aktie ist seit Jah­ren die am meis­ten leer­ver­kauf­te. Musk hat sich wie­der­holt über Short­sel­ler und ihre Atta­cken gegen Tes­la auf­ge­regt. Er hat auch ver­sucht gegenzuhalten. 

Grünheide, Bitcoin, Abgaszertifikate 

Gele­gen­heit Rache zu neh­men, bot sich für ihn zuletzt im Janu­ar im Rah­men einer groß ange­leg­ten Wall­Streets­Bets-Kam­pa­gne. Pri­vat­an­le­ger boten pro­fes­sio­nel­len Leer­ver­käu­fern die Stirn, indem sie auf Platt­for­men wie Red­dit Käu­fe der mas­siv geshor­te­ten Game­s­top-Aktie ver­ab­re­de­ten. Die Mas­sen­be­we­gung von Flashmob-Tra­dern war die per­fek­te Gele­gen­heit für Musk: Er feu­er­te den Kurs eben­falls mit ent­spre­chen­den Kom­men­ta­ren an, um den Short­sel­lern das Geschäft zu verhageln. 

c6e5a1a6d7379a35d086b1ac928f9c8e.jpg

WIRTSCHAFT17.05.21Spon­ta­ne Über­ra­schungs­vi­si­teElon Musk besucht Giga­fac­to­ry-Bau­stel­le in Grünheide

Bur­ry hät­ten die­se Tra­des Anfang des Jah­res kalt erwi­schen kön­nen. Sei­ne Fir­ma Sci­on hielt etwa fünf Pro­zent der Akti­en der Video­spiel­ket­te Game­s­top, stieg jedoch recht­zei­tig aus, bevor die Kam­pa­gne der Wall­Street­Bets voll ein­setz­te und die Papie­re auf Ach­ter­bahn­fahrt gingen. 

Dies­mal ist Musk in der schwä­che­ren Posi­ti­on. Für ihn läuft es gera­de nicht: Auf der Tes­la-Bau­stel­le in Grün­hei­de geht es nicht vor­an. Selbst die neue Giga­fac­to­ry in Texas wird schnel­ler hoch­ge­zo­gen, als die in Bran­den­burg — obwohl der Bau­start spä­ter war. Musk ist des­halb gera­de erst zu einemKurz­be­such in Bran­den­burg erschie­nen. 

Auch mit sei­nem Kryp­to-Hick­hack macht sich der Tes­la-Chef der­zeit kei­ne Freun­de. Erst heißt es, Tes­las dür­fen mit Bit­coins gezahlt wer­den, dann doch wie­der nicht, weil die Her­stel­lung der Umwelt scha­det. Musks Tweet hier­zu und die Spe­ku­la­tio­nen um Bit­coin-Ver­käu­fe des Elek­tro­au­to­bau­ers Tes­la lie­ßen die Cyber-Devi­se dar­auf­hin um mehr als 14 Pro­zent auf ein Drei­ein­halb-Monats-Tief von 42.130 Dol­lar abstür­zen. Und der Kurs tru­delt seit­dem immer wei­ter nach unten. Auch ande­re Kryp­to­wäh­run­gen sind in Mit­lei­den­schaft gera­ten. Die zweit­wich­tigs­te Cyber-Devi­se Ethe­re­um stürz­te um mehr als 21 Pro­zent ab.

Vor allem sind Kri­ti­kern aber die Tes­la-Zah­len ein Dorn im Auge: Das Unter­neh­men hat zwar noch nie so viel Geld ver­dient wie im ers­ten Quar­tal. Doch der Löwen­an­teil der Gewin­ne stammt nicht aus dem Ver­kauf von Autos, son­dern von Abgas-Zer­ti­fi­ka­ten, die ande­re Auto­bau­er kau­fen, um ihre CO-Bilanz auf­zu­bes­sern und damit gesetz­li­che Umwelt­vor­ga­ben zu erfül­len. Ein beträcht­li­cher Anteil des Gewinns des E‑Autobauers stamm­te zudem aus den inzwi­schen bei ihm in Ungna­de gefal­le­nen Bit­coins. Im Janu­ar hat­te Musk ein Invest­ment von 1,2 Mil­li­ar­den US-Dol­lar in die immer noch wich­tigs­te Digi­tal­wäh­rung bekannt gege­ben. Ohne die­se Spe­ku­la­tio­nen hät­te er im ers­ten Quar­tal einen Ver­lust für Tes­la mel­den müs­sen. Und dann kom­men in die­sem lau­fen­den Quar­tal auch noch erschwe­rend rück­läu­fi­ge Ver­käu­fe in Chi­na sowie Mate­ri­al­eng­päs­se hin­zu, die die Pro­duk­ti­on sowohl in Chi­na als auch in den USA behin­dern. Für Musk läuft es gera­de wirk­lich nicht rund.

Quel­le: ntv.de

Schreibe einen Kommentar