Lupe, Taschenrechner, Graphen.

Durch die Hintertür aufs Parkett — EU-Aufseher nehmen SPACs unter die Lupe

DONNERSTAG, 22. APRIL 2021

Immer mehr Unter­neh­men gehen über “Spe­cial pur­po­se acqui­si­ti­on com­pa­nys”, kurz SPAC, an die Bör­se. Das bringt Vor­tei­le: Durch die Fusi­on mit einem gelis­te­ten Fir­men­man­tel ist ein IPO schnel­ler mög­lich. Kri­ti­ker bemän­geln jedoch, dass dabei Schwä­chen ver­heim­licht wer­den könnten.

Die stei­gen­de Nach­fra­ge nach lee­ren Bör­sen­män­teln — soge­nann­ten SPACs — ruft die EU-Finanz­wäch­ter auf den Plan. Die Euro­päi­sche Wert­pa­pier- und Markt­auf­sichts­be­hör­de ESMA will die­se zur­zeit popu­lä­re Art von Bör­sen­gän­gen genau­er unter die Lupe neh­men, wie sie ankündigte. 

Der Trend, sol­che “Spe­cial Pur­po­se Acqui­si­ti­on Com­pa­nies” (SPAC) zu grün­den, ist vor kur­zem aus den USA nach Euro­pa geschwappt. Die EU stel­le sich nun die Fra­ge, ob SPACs mit den exis­tie­ren­den Regu­la­ri­en im Ein­klang sind, sag­te die desi­gnier­te Exe­ku­tiv-Direk­to­rin der ESMA, Nata­sha Cazenave.

SPACs sind bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men, die kein eige­nes Geschäft haben. Ihr Ziel ist es, ein ande­res Unter­neh­men durch eine Fusi­on an die Bör­se zu brin­gen. Da die Inves­to­ren zunächst nicht wis­sen, wel­che Fir­ma über­nom­men wird, wer­den SPACs auch “Blan­ko­scheck-Fir­men” genannt. Hin­ter einem SPAC ste­hen als Initia­to­ren meist bekann­te und bran­chen­er­fah­re­ne Mana­ger, Ban­ker oder Inves­to­ren. Dar­un­ter etwa der frü­he­re Com­merz­bank-Chef Mar­tin Bles­sing oder Ex-Uni­credit-Boss Jean-Pierre Mus­tier. Den über­nom­me­nen Fir­men bie­tet die­ser Weg den Vor­teil, mit weni­ger regu­la­to­ri­schem Auf­wand an die Bör­se zu kom­men. Kri­ti­ker bemän­geln, dass Schwä­chen ver­heim­licht wer­den könnten.

Auch die US-Finanz­auf­sicht SEC schaut sich SPACs genau­er an. Sie prüft etwa, ob genü­gend Infor­ma­tio­nen in Pflicht­mit­tei­lun­gen gemacht wer­den und sam­melt Daten zu Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men, Gebüh­ren und Risiko-Kontrollen.

Bis­lang gab es in Euro­pa zehn SPAC-Bör­sen­gän­ge mit einem Gesamt­vo­lu­men von 1,3 Mil­li­ar­den Dol­lar. In den USA kamen seit dem ver­gan­ge­nen Jahr 522 sol­cher Bör­sen­män­tel im Volu­men von mehr als 300 Mil­li­ar­den Dol­lar an den Markt. “Wir müs­sen ver­ste­hen, war­um SPACs so beliebt sind, war­um Men­schen Geld nur auf der Grund­la­ge der Namen der Spon­so­ren und der Ankün­di­gung eines Pro­jekts bereit­stel­len”, sag­te Caze­na­ve. Noch sei es aber zu früh, eine Ent­schei­dung über eine ange­mes­se­ne Regu­lie­rung zu treffen.

Quel­le: ntv.de, ddi/rts

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